Zitat von knoepfle2711
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1. Allgemeine Untersuchung (Nase bis Schwanzspitze anschauen, Abhoeren, Puls messen etc.) mit UMFASSENDER Anamnese (Beispielfragen schreib ich spaeter noch) und nach Moeglichkeit Videoaufnahmen von einem Anfall
2. neurologische Untersuchung (Kopfreflexe, Spinalreflexe, Stellreaktionen)
3. Blutuntersuchung
4. bildgebende Diagnostik (hier nach Ermessen erst Ultraschall, dann Roentgen, oder umgekehrt oder beides; dann ein MRT oder CT)
5. weiterfuehrende Diagnostik: Liquor, Biopsien, Szinitgraphie
Nicht immer muessen alle Tests gemacht werden. Eine Biopsie bringt mir z.B. nix, wenn ich vom Blutbild her schon erahne, dass die Ursache ein Lebershunt ist, eine Szinti waere hier jetzt wieder angebracht.
Ein EEG bringt NUR etwas, wenn waehrend eines Anfalls gemessen wird. Da man diese Moeglichkeit so gut wie nie hat, kann man es sich sparen.
Ein Hund, der in einem Anfall rein kommt, sollte wie folgt behandelt werden:
1. Diazepam rektal (der Anfall muss aufhoeren) (wobei ich mir nicht ganz sicher bin wie es bei einem Welpen (meist Unterzucker Ursache eines Krampfanfalls) oder bei einem bekannten Diabetiker ist)
2. Blutglucose messen
3. i.v. Zugang legen (deswegen muss der Anfall aufhoeren; ist der Anfall so leicht, dass sich ein i.v. Zugang legen laesst, macht man Schritt 3 als erstes und kann dann mit Schritt 2 fortfahren).
4. je nachdem mit Diazepam und oder Glukosebehandlung fortfahren bzw. auf Barbiturat ueberwechseln
Erste ganz wichtige Frage: WANN treten die Anfaelle auf. Zu bestimmten Tageszeiten? Wie lange nach der Fuetterung? Wurde das Haus zuvor geputzt? Andere Haustiere? Aehnliche Symptome? Irgendwas im Haus oder Garten geaendert (Putzmittel, Waschmittel, Insektizide etc. und ppp)? Wie war der Hund kurz vor dem Anfall? Wie kurz danach? Irgendwelche sonstigen Veraenderungen in den letzten Wochen/Monaten? Dauermedikamente? Kann er an Medikamente der Familie rangekommen sein? Zuckerfreie Kaugummis im Haushalt? Unter Verwandten des Hundes aehnliche Symptome bekannt? Erkrankungen als Welpe? Vorerkrankungen allgemein? Impfungen (ueberhaupt geimpft? wann die letzte?)? Zeckenprophylaxe? Viele Zecken gehabt dieses Jahr? Kommt er aus dem Ausland? War er in letzter Zeit im Ausland? Kastriert? Bei unkastrierten Huendinnen: Wann war die letzte Laeufigkeit? Wie war der Verlauf? Wesenveraenderungen in der letzten Zeit (v.a. erkennt Dinge/Personen nicht mehr, Zeichen von Blindheit oder Taubheit)? Irgendwelches merkwuerdiges Verhalten, das fuer uns vielleicht sogar lustig aussieht: schnappt er in die Luft als wollte er Fliegen fangen? oder hat er Episoden, wo er durch die Wohnung rennt und ueber eine halbe Stunde dasselbe macht in einem bestimmten Muster? oder bellt er ab und an ploetzlich in die Luft? Futteraufnahme an sich? Mehr oder weniger geworden? Ab- oder Zugenommen? Wasseraufnahme? Harn- und Kotabsatz?
Das sind jetzt alles Fragen, die mir so auf Anhieb einfallen, die man bei einer Erstvorstellung fragen sollte. Einem erfahrenen Neurologen fallen bestimmt noch zig weitere ein.
Die Erstuntersuchung eines Hundes mit Krampfanfaellen sollte mindestens 30 Minuten dauern, fuer gewoehnlich eher eine Stunde und mehr, wobei dann nur die ersten 3 Punkte meiner obigen Liste durchgefuehrt werden.
Ich wuerde dir ganz dringend raten, einen Fachtierarzt fuer Neurologie aufzusuchen.
Ich hab vor ein paar Tagen im Praktikum wieder einen aehnlichen Fall erlebt: Hund kommt rein, Besitzer sagen eben auch, dass er Anfaelle hatten. Und ihnen ist aufgefallen, dass der erste und auch er zweite Anfall kurz nach der Advantixgabe stattfanden. Der dritte und vierte kamen dann innerhalb der naechsten Stunden bzw. Tage nach dem zweiten. Drei Mal duerft ihr raten, was die Aussage der Tieraerztin war.
Kein Zusammenhang mit dem Spot on und er bekommt jetzt Phenobarbital.
Noch kurz zum Begriff Epilepsie. Das Wort an sich ist ja eher etwas verpoehnt in Fachkreisen, da es die Krankheit eigentlich gar nicht gibt. Es gibt epileptiforme Anfaelle, die aus tonisch-klonischen Kraempfen bestehen. Ursachen hierfuer gibt es viele (Unterzucker, Leberprobleme, Gehirnprobleme, Hormonprobleme etc.), es bleiben dabei aber epileptiforme Anfaelle oder das was gemeinhin auch als sekundaere Epilepsie bezeichnet wird.
Wenn man nix findet, ist es wahrscheinlich dennoch eine sekundaere Epilepsie, nur weil man nichts findet, nennt man es idiopathische Epilepsie oder auch primaere Epilepsie.
Klonische Kraempfe sind das, was jeder als Kraempfe erkennt: mehr oder weniger rhytmisches Zucken des Koerpers.
Tonische Kraempfe ist ein "Erstarren" der Muskulatur, ein Verkrampfen. Rein tonische Kraempfe treten z.B. bei Tetanus auf.
Epilepsie ist ein tonisch-klonischer Krampf, da in der Initialphase eines Anfalls die Muskulatur erst tonisch verkrampft.



Dat Kerlchen war schon kurz vor der RBB - alle Familienmitglieder hatten sich schon verabschiedet. 

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